Bewertung 0
entry 5.11.2009, 14:09
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als meine Freundin mir mitteilte, dass ihre Malinois-Hündinn ein Liebelei mit dem Labradorrüden ihrer Eltern hatte. Die Welpen wurden dann an ihrem Geburtstag geboren und wir haben uns die Zwerge auf ihrer Geburtstagsfee angesehen, da waren die Babys zwei Tage alt. Wir wollten ja nur mal gucken, haben wir dann auch alle und das hässlichste der Hundewelpen hatte es uns angetan und wir tauften sie spontan Didem. Das ist ein türkischer Mädchenname und bedeutet soviel wie: mein Herz und tränendes Herz.
Wie treffend dieser Name war, haben wir in den nächsten acht Jahren erfahren.Spätestens jeden zweiten Tag haben wir unsere süße Maus besucht und haben bald festgestellt, dass sie eine kleine Schönheit wird und dumm war sie auch nicht. Bald kannte sie uns und hörte auf ihren Namen. Als sie sieben Wochen alt war, zog sie dann bei uns ein und stellte unsere Familie komplett auf den Kopf.
Didem lag wie ein Baby bei uns auf dem Bauch und schlief und gehörte direkt zu unserer Familie.
Sie brauchte einen nur mit ihren braunen Hundeaugen anzusehen und man konnte ihr nicht böse sein.
Die acht Jahre mit ihr, waren geprägt von ihrer großen Lebenslust und von ihrem großen Spieltrieb, aber auch von ihrer Herzlichkeit und Zärtlichkeit.
Ich habe nie gedacht, dass man eine so große Zuneigung zu einem Tier entwickeln kann. Uns hat ein unsichtbares Band verbunden, Didem kannte mich besser, als irgendjemand sonst. Sie wusste, wann es mir gut ging und merkte lange vor jedem anderen, wenn mich etwas bedrückte. Niemand hat es besser geschafft mich zum Lachen zu bringen, wenn ich traurig war. Ihr Charakter war einzigartig und ich weiß nicht, wie sich die Lücke füllen lässt, die ihr plötzlicher Tod in unsere Familie und in unsere Herzen gerissen hat.
Meine Süße hat ihrem Namen alle Ehre gemacht und mein Herz wird nie aufhören um sie zu weinen.

Der 21. Juli war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Morgens um kurz nach 06.00 ist Didem von uns gegangen, plötzlich und ohne Vorzeichen hat sie gebrochen und gekrampft und war sofort tot. Sie ist bei meinem Mann und bei mir in den Armen gestorben und für uns ist eine Welt zusammengestürzt, die komplette Familie war am Boden zerstört. Warum, Wieso, Warum jetzt, Fragen auf die wir keine Antwort erwarten konnten. Wir haben dann Didem in ihrem heiß geliebten Garten beerdigt. Es war ein schöner, sonniger Julitag, ein Dienstag zum Träumen aber für mich ein tiefschwarzer Tag. Ich habe wie verrückt, geputzt, gewaschen nur um zu vergessen, doch ich habe meine Maus überall gehört, gesehen und gespürt. Saß ich auf der Couch, spürte ich sie neben mir, ging ich in den Flur, hörte ich ihren Gang hinter mir...es war grausam. Das Schlimmste aber war, ich konnte meinem Rüden Denny nicht die Aufmerksamkeit geben, die er brauchte, denn auch er trauerte, auch wenn er Didem nur ein Jahr als Gefährtin hatte.Man kann wirklich sagen, ich war betäubt. Zwei Tage hielt dieses Gefühl, dass Didem immer neben mir war an, dann ganz plötzlich wurde mir eiskalt und sie war weg...Sie hatte uns verlassen und ich habe sie losgelassen. Zurück blieben wir, mit unseren Gefühlen und der Einsamkeit, die hier in jeden Winkel kroch.
Wenn ich dann manche Leute reden hörte, die sagen, warum geht es dir nach einer Woche noch nicht wieder gut, schließlich war sie ja nur ein Hund. Für mich war sie nicht „nur“ ein Hund, für mich war sie viel mehr...Freundin und ein wichtiger Teil meiner Familie. Da kann ich nicht nach so kurzer Zeit wieder auf „normal“ schalten.

Jetzt ist es genau einen Monat her, dass sie nicht mehr bei uns ist und die Gewissheit der Endgültigkeit tut jeden Tag mehr weh. Mir fehlt ihr forderndes Bellen, wenn sie spielen wollte, ihr warmer Körper neben mir auf der Couch und ihre treuen Augen.
Vielleicht stimmt es ja und die Zeit heilt alle Wunden...

Nun nach fast fünf Monaten weiß ich, es stimmt nicht. Zeit heilt nicht die Wunden, sie hilft nur damit umzugehen. Ich trauere aus tiefsten Herzen um sie, aber die Trauer hat sich verändert. Ich kann mittlerweile über sie reden und auch mit lachendem Auge an ihre Albernheiten denken. Es hängt ein großes Bild von ihr im Flur und ich sitze nicht mehr jeden Tag bei ihr am Grab.
Aber es passieren immer wieder Dinge, die mich dann zurückwerfen und mich härter treffen, als ich gedacht habe, genau wie jetzt, wenn ich diese Zeilen schreibe.
Ob es die Zeit der Apfelernte war...Didem liebte Äpfel, in Fallobst konnte man sich so herrlich wälzen, sich so herrlich einsauen.
Die Walnussreife...Didem knackte für ihr Leben gerne Walnüsse, überall im Garten lagen ihre Wahlnusshälften, in diesem Jahr knackte keiner die Nüsse oder ich finde einen vergrabenen Kochen oder einen ihrer heißgeliebten Stöckchen.
Aber am Schlimmsten ist die Zeit, wenn ich arbeiten muss. Ich bin freiberufliche Fotografin und arbeite viel auf Hundeausstellungen und Turnieren. Es tut so weh, wenn man einer Hündinn begegnet, die Ähnlichkeit mit Didem hat, mag es körperlich oder von ihren Verhaltensweisen sein.
Dann bin ich regelrecht eifersüchtig auf die Beziehung zwischen Hund und Frauchen oder Herrchen.

Jeder rät mir, ich sollte mir ganz schnell wieder ein kleines Fellknäul zulegen. Aber ich schwanke...Zuerst hieß es für mich definitiv nein..diesen Schmerz möchte ich niemals wieder erleben, ich möchte mich niemals wieder so auf einen Hund einlassen. Zumal unser Rüde mit seiner gequälten Kettenhundvergangenheit jede Aufmerksamkeit verdient hat und wirklich nicht einfach zu händeln ist. Er wird nie so einen innigen Bezug zu uns und umgekehrt aufbauen, wie unsere Didem. Aber andererseits vermißt er auch die Zwiesprache mit einem anderen Hund im Haus. Dann ist da noch die Angst, dass die Liebe und die Erinnerung zu Didem verblassen könnte und auch ein schlechtes Gewissen, dass ich mir überhaupt Gedanken über einen „Ersatz“ für sie mache...
Aber tief in meinem Herzen keimt der Wunsch nach einem kleinen Hundemädchen und vielleicht begegnet mir irgendwo ein Welpe, der sich genauso einsam fühlt, wie wir es tun, gezielt suchen werde ich noch nicht.

 
« nächst älterer · kicky's Blog · nächst neuerer »